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Rezensionen
Thomas Pynchon: Vineland
| Thomas Pynchon: Vineland |
| Written by Sebastian Ritze | |
| Friday, 13 February 2004 | |
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Schreibstil: Immer wieder fazinierend sind Pynchons Beschreibungen von Mikroabläufen. Der plötzliche Zoom und die Fokussierung auf zunächst beiläufige Details, die plötzlich zu einer sehr präzisen, natürlichen und keinesfallls gekünstelten Detailwahrnehmung werden. Der Leser hat den Eindruck einer brilliante Eingebung Pynchons zu folgen und nicht nur etwas zu erleben, das der Autor sich aus den Fingern gesogen hat, um dem Text anzureichern. Ein kleines Wunder, das der Leser miterleben darf, weil Pynchon ein Auge dafür hat und den Wortschatz, dies auch zu transportieren. Wenn überhaupt ein passendes Bild existieren sollte, dann das einer manchmal in Filmen verwendeten Kamerafahrt, die zuerst die Erde in der Totale aus der Sicht eines Astronauten zeigt und dann rasant ohne Schnitt in einem Detail in einer Straße endet. Ähnlich ist die Erfahrung eines Tauchers, der zunächst nur die Gesamtheit der fazinierenden Unterwasserwelt wahrnimmt, nur um bei seinem ersten Nachttauchgang festzustellen, daß sich im Schein seiner Lampe ein völlig neuer, zuvor nicht gesehener Mikrokosmos eröffnet, der sich fast ad infinitum fortführen läßt. Den gleichen Effekt kann man vielleicht bei einer Betrachtung von Fraktalen oder einer Dosis Sahne, die sich Kaffee verliert beobachten: Es ergeben sich völlig neue Facetten und Blickwinkel. Er trak das Bier aus, das er in der Hand hatte, und ließ die Dose mit der, wie er meinte, kühlen Neugierde des Naturwissenschaftlers fallen, verfolgte ihren langen Sturz und bemerkte die Konvergenz ihrer Bahn mit der eines Fußgängers tief unten, einem Surfer, der sein Brett auf dem Kopf balancierte. Sekunden, nachdem sie das Surbrett getroffen hatte, vernahm Zoyd das leise Klonk des Aufschlages, während die Dose bereits in einem nahe gelegenen Swimmingpool gesprungen war, wo sie versank, ohne eine andere Spur ihres Besuchs zu hinterlassen als die Delle im Brett, deren perfekte Geometrie der Surfer mittlerweile eingehend studierte, erfüllt von dem Verdacht, der weit über den irdischen Orbit hinausreichte. Bemerkungen:Fazit: Lesegenuß pur. Neben der eigentlichen Geschichte ist der Schreibstil schon selbst eine Lektüre wert. Bewertung: 9 / 10 Nur eine 9, da unter Umständen ein noch besseres Buch von Thomas Pynchon erscheinen könnte. ISBN: 3-499-13550-7Weitere Bücher von Thomas Pynchon: - Die Enden der Parabel |